Mürow

vorgestellt von Dietlind Zeiger

Eine der für die Uckermark so typischen mittelalterlichen Feldsteinkirchen des 13. Jahrhunderts finden wir auch in Mürow, wobei man das allerdings erst auf den zweiten Blick sieht. Denn die in sanfter Hügellandschaft gemeinsam mit dem sie umgebenden Dorf wunderschön eingebettete Kirche fällt zunächst nicht mit Feldsteinen, sondern mit seinem aus roten Backsteinen gebauten Kirchturm ins Auge. Als weithin sichtbare Landmarke prägt er – aus verschiedenen Richtungen nach Mürow kommend – das Landschaftsbild.

Im Zentrum des Ortes liegt die Kirche unweit des großen Dorfteichs auf einem Anger. Der Kirchhof ist umgeben von einer Mauer aus Feldsteinen, die auf der zur Hauptstraße liegenden Seite ein wunderschön gestaltetes Portal in Renaissanceformen aufweist. Betreten kann man den Kirchhof durch dieses Portal allerdings nicht, denn es wurde bereits vor längerer Zeit mit Feldsteinen vermauert. Südlich dieses Portals gibt es aber eine Pforte in der Mauer, durch die man auf direktem Weg zum Westportal der Kirche gelangt. Dieses wurde in spitzbogiger Form aus behauenen Feldsteinen hergestellt. Hier befindet sich auch der Haupteingang.

Durch den Turmraum und die unter der Orgelempore eingebaute Winterkirche gelangt man in den Kirchenraum, der sich mit seinen weiß gekalkten Wänden und den Holzbalkendecken in schlichten Formen zeigt. Als architektonische Höhepunkte präsentieren sich im Chorraum der Altar, die Kanzel auf der Nordseite des Triumphbogens sowie eine hölzerne Taufe.

Der barocke Altar stammt aus dem Jahr 1728 und zeigt die für seine Entstehungszeit typischen Formen. Im unteren Bereich befindet sich die zwischen zwei Säulenbasen angeordnete Predella. Sie zeigt die geschnitzte Szene des letzten Abendmahls. Im Hauptfeld ist die Kreuzigung dargestellt – wunderbar geschnitzt in Hochrelief, d.h., die Figuren treten deutlich aus dem flächigen Hintergrund hervor. In einem medaillonähnlichen ovalen Feld darüber ist der auferstehende Christus zu sehen. Die Bekrönung bildet eine Holzschnitzfigur des gen Himmel fahrenden Christus. Der gesamte Altaraufbau ist mit reichem Schnitzwerk versehen, so dass bei genauerer Betrachtung viele Details entdeckt werden können.

In der Ostwand beidseitig des Altars finden sich zwei Epitaphe aus Sandstein. Einer der beiden wurde für die im Jahr 1585 gestorbene Adelheid von Arnim mit einer Reliefdarstellung des Kindes hergestellt.

Wunderschön ist auch die hölzerne Taufe gestaltet, die aufgrund ihrer architektonischen Ausprägung ebenfalls in das 18. Jahrhundert einzuordnen sein dürfte. Es lohnt sich, das mit achteckigem Grundriss hergestellte Stück auch aus der Nähe anzuschauen, denn es birgt eine Taufschale aus Messing, die in der Mitte die Verkündigung Mariä zeigt. Im Kapitel 1 des Evangeliums nach Lukas kann man zu dieser Darstellung die Verse 30 bis 33 lesen:

Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden;  und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

Die Kanzel ist ebenfalls ein besonderes Stück. Sie ist über 100 Jahre älter als der Altar und wurde bereits im Jahr 1612 geschnitzt. Sie ist durch ihre reichen Verzierungen und die sehr detailreichen Darstellungen ein wunderschönes Ausstattungsstück, an dem sich Vieles entdecken lässt.

Der Kanzelkorb ist mit einer hölzernen Säule auf dem mit roten Ziegelplatten belegten Fußboden abgestützt. Er zeigt in vier Feldern die geschnitzten Reliefs der Evangelisten. Am Kanzelaufgang sind in drei Bildfeldern Johannes, Petrus und Paulus dargestellt; hier befindet sich auch das Entstehungsjahr der Kanzel als Inschrift.

Seit dem Jahr 1895 steht auf der westlichen Empore eine 1891 gebaute Orgel der Orgelbaufirma Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder. Das Instrument ist unverändert erhalten geblieben. Anfang der 1990er Jahre wurden einige Reparaturen durch die Orgelbauwerkstatt Ulrich Fahlberg ausgeführt, u.a. der Anschluss eines elektrischen Gebläses. Die Orgel ist spielfähig und begleitet die Gottesdienste.